Ausfallzeiten vergessen
Urlaub, Krankheit und Feiertage werden bezahlt, sind aber nicht verkaufbar. Wer mit Anwesenheitsstunden statt produktiven Stunden kalkuliert, rechnet sich den Stundensatz systematisch schön.
Kalkulation
Vom Tariflohn zum Stundenverrechnungssatz in vier Schritten: Diese Seite zeigt die Rechenlogik mit einer transparenten Beispielrechnung auf Tarifbasis 2026, erklärt die Rolle des Leistungswerts und nennt die Kalkulationsfehler, die in der Praxis am meisten Marge kosten.
Beispielwerte auf Basis des allgemeinverbindlichen Branchenmindestlohns 2026 — Zuschlagssätze sind Annahmen und betriebsindividuell zu ersetzen.
Schritt für Schritt
Die Logik ist immer gleich: Auf den Produktivlohn kommen die Lohnzusatzkosten, darauf die Gemeinkosten des Betriebs, zum Schluss der Gewinn. Entscheidend ist, dass jeder Zuschlag aus den eigenen Betriebszahlen kommt — die Beispielwerte zeigen nur die Rechenfolge. Aktuelle Tarifsätze und ihre Entwicklung stehen auf der Seite Tariflohn Gebäudereinigung.
| Schritt | Position | Ansatz | EUR/h |
|---|---|---|---|
| 1 | Produktivlohn (Tarif LG 1) Tarifliche Untergrenze — wer übertariflich zahlt, setzt hier den echten Stundenlohn an. | Branchenmindestlohn 2026 | 15,00 € |
| 2 | Lohnzusatzkosten Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, bezahlter Urlaub, Krankheit, Feiertage, Umlagen. Je nach Betrieb und Ausfallquote unterschiedlich — aus der eigenen Lohnbuchhaltung ableiten. | Annahme: +65 % | 9,75 € |
| 3 | Gemeinkosten Verwaltung, Vertrieb, Objektleitung, Fahrzeuge, Material, Maschinen, Versicherungen. Aus der BWA: Gemeinkosten ÷ verkaufbare Produktivstunden. | Annahme: +20 % auf Lohnkosten | 4,95 € |
| 4 | Gewinn Ohne kalkulierten Gewinn finanziert der Auftrag weder Rücklagen noch Wachstum. | Annahme: +5 % | 1,49 € |
| Stundenverrechnungssatz (netto) | Summe | 31,19 € |
Zur Einordnung: Schon die reine Kostenseite liegt in diesem Beispiel bei 29,70 € pro Stunde — 98 Prozent über dem Tariflohn. Jedes Angebot unterhalb der eigenen Kostenrate ist ein planmäßiges Verlustgeschäft.
Quadratmeterpreis
Im Objektgeschäft wird selten je Stunde, sondern je Quadratmeter oder pauschal angeboten. Die Brücke ist der Leistungswert — wie viele Quadratmeter eine Kraft pro Stunde schafft: Quadratmeterpreis = Verrechnungssatz ÷ Leistungswert. Der Leistungswert hängt von Objektart, Möblierung, Bodenbelag und Leistungsverzeichnis ab und gehört deshalb in die Objektaufnahme, nicht in eine Standardtabelle. Zwei Fehler wiegen hier besonders schwer: Katalogwerte ungeprüft übernehmen und Rüst- oder Wegezeiten im Objekt ignorieren.
Praxis
Urlaub, Krankheit und Feiertage werden bezahlt, sind aber nicht verkaufbar. Wer mit Anwesenheitsstunden statt produktiven Stunden kalkuliert, rechnet sich den Stundensatz systematisch schön.
Der Mindestlohn steigt fast jedes Jahr zum 1. Januar — seit 2021 kumuliert um 35 Prozent (LG 1). Ein Vertrag ohne Preisanpassung verliert diese Differenz Jahr für Jahr aus der Marge.
Der Leistungswert aus der Objektbesichtigung entscheidet über den Quadratmeterpreis. Rüstzeiten, Wegezeiten im Objekt und Sonderflächen drücken den realen Wert unter den Katalogwert.
Wenn Kalkulationslogik nur im Kopf des Kalkulators existiert, rechnet jedes Angebot anders. Einheitliche Vorlagen mit hinterlegten Löhnen, Zuschlägen und Leistungswerten machen Angebote vergleichbar — und Fehler sichtbar.
Mit System statt Excel
In Facento wird die Objektaufnahme direkt zur Kalkulation: hinterlegte Löhne und Zuschläge, Leistungswerte je Fläche, und aus derselben Datenbasis entstehen Angebot, Einsatzplanung und Abrechnung — ohne dass Zahlen doppelt gepflegt werden. Tariferhöhungen zum Jahreswechsel lassen sich zentral nachziehen statt Angebot für Angebot.
FAQ
Ausgangspunkt ist der Produktivlohn (mindestens der Branchenmindestlohn, 2026: 15,00 €/h in Lohngruppe 1). Darauf kommen die Lohnzusatzkosten (Sozialversicherung, Urlaub, Krankheit, Feiertage), die Gemeinkosten des Betriebs (Verwaltung, Vertrieb, Fahrzeuge, Material) und der kalkulierte Gewinn. Mit Beispielannahmen von 65 % Lohnzusatzkosten, 20 % Gemeinkosten und 5 % Gewinn ergibt sich ein Verrechnungssatz von rund 31,19 € pro Stunde — die tatsächlichen Zuschläge muss jeder Betrieb aus den eigenen Zahlen ableiten.
Der Leistungswert gibt an, wie viele Quadratmeter eine Reinigungskraft pro Stunde reinigt. Er hängt von Objektart, Möblierungsgrad, Bodenbelag und Leistungsverzeichnis ab und ist neben dem Stundenverrechnungssatz die zweite Stellgröße der Kalkulation: Quadratmeterpreis = Verrechnungssatz ÷ Leistungswert. Ein zu optimistischer Leistungswert ist einer der häufigsten Gründe, warum Aufträge Geld verlieren.
Weil eine bezahlte Stunde nicht gleich einer verkaufbaren Stunde ist: Urlaub, Krankheit und Feiertage werden bezahlt, lassen sich aber nicht abrechnen — dazu kommen Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Die tatsächlichen Kosten einer produktiven Stunde liegen deshalb deutlich über dem reinen Stundenlohn von 15,00 €.
Der Branchenmindestlohn der Lohngruppe 1 ist seit 2021 um 35 Prozent gestiegen. Laufende Verträge mit festen Preisen tragen diese Steigerung voll auf der Kostenseite — deshalb gehören Preisgleitklauseln oder regelmäßige Nachverhandlungen zum Jahreswechsel in jeden Angebotsprozess, und Bestandsobjekte sollten jährlich nachkalkuliert werden.
Tarifdaten: Mindestlohn-Tarifvertrag im Gebäudereiniger-Handwerk (allgemeinverbindlich), Stand 2026. Alle Branchenkennzahlen mit Quellen im Facento Branchenradar, die Tarifentwicklung seit 2021 auf der Seite Tariflohn Gebäudereinigung.